Achtung Kammerwahl!
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
das neue Jahr hat begonnen und ein für unseren Berufsstand wichtiges Ereignis steht an: die Kammerwahl. Sie haben in den letzten Tagen eine Menge Post zu diesem Thema erhalten und auch ich möchte Ihnen meine Sicht auf dieses Thema nicht vorenthalten.
Im Vergleich zur letzten Kammerwahl haben wir es diesmal mit einer bedeutsamen neuen Situation zu tun; es bewerben sich die Mitglieder von neun Listen um die Plätze in der Kammerversammlung. Im Wahlaufruf der Landeszahnärztekammer im Zahnärzteblatt Brandenburg (ZBB, Ausgabe 6, Dezember 2011) zur Kammerversammlung lesen wir u. a. dazu: „Diese Vielfalt kann man sicher in viele Richtungen deuten. Vielfalt soll bekanntlich belebend wirken“. Diese Deutung des Begriffs „Vielfalt“ halte ich für vage und es fehlt mir vor allem aus der Sicht der Vorstandsmitglieder, die diesen
Aufruf verfassten, eine tiefere Sicht auf die Ursachen für diese Tatsache.
Man kann doch nicht übersehen, dass diese entstandene Vielfalt das Ergebnis eines Prozesses innerhalb der Legislaturperiode ist. In dieser hat sich doch deutlich gezeigt, dass Machtfülle, gegeben durch die zahlenmäßige Größe des „Verbandes niedergelassener Zahnärzte“ (VNZ) und die Durchsetzung seiner Ziele dazu führten, die berechtigten Interessen der Kollegenschaft aus den Augen zu verlieren. Die klaren Mehrheiten in den einzelnen Gremien verführten augenscheinlich einfach dazu, selbstgerecht zu entscheiden, statt sich einer meinungsbildenden, ergebnisoffenen Diskussion zu stellen – unbestritten ein wesentliches Hemmnis für Vielfalt.
Die Aufstellung von eigenen Kandidaten in der Folge zeugt doch vielmehr von Verantwortungsgefühl, die Interessen, Sorgen und Forderungen (anderer) Kollegen zu thematisieren, zu vertreten und zu verteidigen. Da bleibt wahrlich kein Raum für die
Deutung „…in viele Richtungen“. Das ist vielmehr
ein Zeichen für den echten Mitwirkungswillen dieser Kollegen.
Man kann doch nicht in jeder Bezirksstellenversammlung für eine Mitarbeit in der Standespolitik werben und sich dann wundern, wenn die umworbenen Kollegen eigene Themen, Meinungen, Interessen usw. vertreten.
Ich bin außerdem der Meinung, dass durch eine größere Breite von Meinungen die großen Ziele des Verbandes, wie Erhaltung der Freiberuflichkeit, Schutz des Arzt-Patienten-Verhältnisses und vor allem der kollegiale Zusammenhalt im Berufsstand in keiner Weise gefährdet sind. Im Gegenteil, zeigt doch
die neu zusammengesetzte Vertreterversammlung der KZV, dass nach dem Verlust der absoluten Mehrheit des VNZ, eine produktive Arbeitsatmosphäre herrscht. Vieles, was in der Vergangenheit versäumt wurde, wird jetzt endlich angegangen.
Dass
jetzt auch die kleinen Fraktionen etwas bewirken können, zeigt der Artikel im ZBB 6/2011; Seite 20. Hier zitiert Herr Sven Albrecht aus dem von mir vorbereiteten und Herrn Dr. Hoyer gestellten Antrag zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft „Wirtschaftlichkeitsprüfung“ und berichtet von ersten Ergebnissen.
Unsere kleine Fraktion, der Kollege Dr. Hoyer und ich, arbeiten in einigen Ausschüssen.
Ich bin z.B. Vorsitzender des Satzungsausschusses und wurde auf der letzten Vertreterversammlung der KZV mit den meisten Stimmen der vier Kandidaten in den Beschwerdeausschuss gewählt.
Ein echter Vertrauensbeweis der Kollegen der VV, wie ich denke und ein klarer Hinweis darauf, dass allen dort handelnden Personen bekannt ist, wofür ich in der Standespolitik stehe.
Trotzdem werde ich in einem Artikel im Mitteilungsblatt des VNZ (20. Jahrgang, Heft 4/2011, Seite 4) polemisch und unsachlich angegriffen. So wirft man mir vor, ich würde nur wegen der Enttäuschung über die neue GOZ für die Kammerversammlung kandidieren, um dann wenige Zeilen weiter feststellen zu müssen, dass ich schon seit vier Jahren Kammermitglied bin. Also die GOZ-Novelle war es dann wohl
doch nicht?
Weiter heißt es, dass uns klare standespolitische Aussagen fehlen. Ich empfehle Ihnen, Herr Albrecht (Vorsitzender des VNZ), lesen Sie noch einmal Ihren Artikel zur AG Wirtschaftlichkeitsprüfung (ZBB; 6/2011, S. 20). In den ersten beiden Absätzen zitieren Sie nahezu wörtlich aus dem von mir vorbereiteten und formulierten Antrag zur Bildung dieser AG!
Allerdings fehlt in dem Artikel der selbstkritische Hinweis, dass es in der vergangenen Legislaturperiode trotz einer absoluten Mehrheit des VNZ unterlassen wurde, diese Probleme anzugehen. Überhaupt sehe ich eine Tendenz des VNZ, sich in seinen Veröffentlichungen mit den Federn anderer zu schmücken.
So hat der Kollege Rosenkranz mit
seiner
Bestätigung der guten Arbeitsatmosphäre (VV der KZV vom 03.12.2011) definitiv alle Mitglieder der VV gemeint. Ein Umstand, den sich die „Opposition“, wie wir auch genannt werden, hart erstritten hat.
Auch der Vorschlag, wegen der guten Haushaltslage der KZV, die Verwaltungskostenbeiträge der Zahnärzte zu senken, stammt aus den Reihen der „Opposition“.
Kollegialität und Sachlichkeit zählen wohl in Wahlkampfzeiten nichts? Bleibt die Frage, ob man dann den Wahlversprechen glauben kann.
Leider muss ich auch etwas zum Thema „Weslau„ schreiben, obwohl es mir fern liegt, einzelne Personen zu zitieren.
Hier wird der VNZ offensichtlich die Geister, die er rief, nicht los.
Wir erinnern uns alle an den Briefverkehr aus dem Frühjahr des vergangenen Jahres zum Thema Zahnklinik zwischen Herrn Herbert und Herrn Weslau und es scheint, diese unschöne, kindische Auseinandersetzung wird jetzt fortgesetzt.
Wenn der Kollege Weslau in seinem letzten Schreiben dem VNZ Günstlingswirtschaft vorwirft, mag er recht haben. Aber es bleibt die Frage, warum er das jetzt thematisiert?
Hat er vergessen, dass er, seine Frau und sein Vater bis vor einem Jahr Mitglied der VV der KZV war? Wäre es nicht seine Pflicht gewesen, schon seinerzeit diese Probleme anzugehen? Ein politisches Gewicht dafür wäre da gewesen, denn schließlich war sein Vater sogar Vorsitzender der VV.
Eins wird meiner Meinung nach deutlich, hier vollzieht jemand eine erstaunliche Wende und das macht mir, mit Blick auf die Berufspolitik, Sorgen. Es mutet einen an, als ob, wenn jemand seine egoistischen, wirtschaftlichen Interessen in einem Verband nicht mehr per Günstlingswirtschaft durchsetzen kann, er dann in der Folge
einen eigenen Verband gründet.
In unserer charakteristischen
Geschichte in den neuen Bundesländern nannten wir solche Leute „Wendehälse“. Hinter seinen, ohne Zweifel wichtigen und geschickt gewählten Themen verbergen sich für mich zwei ganz deutliche Interessen: dem VNZ zu schaden und in seiner persönlichen Fehde mit Herrn Herbert einen späten Sieg zu erreichen sowie eine standespolitische Situation zu schaffen, die es ihm ermöglicht, sich ungestört auf dem „Dentalmarkt“ zu entfalten.
Eine andere Sache ist mir ebenfalls wichtig zu erwähnen. Man kann in der Sache unterschiedlicher Meinung sein und sich hart für seine Ziele streiten. Dies alles aber immer mit großer Sachlichkeit und entsprechender Kollegialität und wenn nicht gerade Wahlkampf ist, habe ich dies auch fast immer erlebt.
Allen Kollegen, die sich in der Berufspolitik engagieren, muss man Respekt zollen, weil alle in jedem Fall etwas ihrer so kostbaren freien Zeit opfern. Nur so kann Selbstverwaltung funktionieren und es will keiner von uns, dass dies vielleicht eine Landesregierung übernimmt.
Leider ist in allen Gremien der Berufspolitik noch ein deutlicher Mangel an weiblicher Präsenz festzustellen.
Deswegen bin ich froh und dankbar, dass ich
zwei Kolleginnen für die Mitarbeit in der Kammerversammlung gewinnen konnte, Frau Dr. Anka Giebler aus Fürstenwalde und Frau Kerstin Meusel aus Rüdersdorf.
Frau Giebler ist als stellvertretende Bezirksstellenvorsitzende länger in der Standespolitik engagiert. Frau Meusel sammelte in diesem Wahlkampf ihre ersten Erfahrungen.
- Wir möchten besonders die in unserem Einzugsgebiet bestehenden Wünsche, Interessen, Sorgen und Forderungen in unserer Kammer thematisieren, vertreten und verteidigen.
- Wir wollen die Forderung nach einer stärker zielgerichtet strukturierten Fortbildung und ergebnisorientierten Qualifizierung unter Kammerregie unterstützen und gegen das zunehmende Weiterbildungswirrwarr sowie die Ausuferung des offensichtlich kommerziell basierten Verleihens von Titeln ohne Wert auftreten. Unsere guten Erfahrungen bei lokalen Weiterbildungsaktivitäten, die den Zuspruch der niedergelassenen Zahnärzte finden und sich am konkreten Bedarf orientieren, gilt es im Kammerbereich zu propagieren und anzuwenden. Dabei sollten Qualität und vernünftige Kosten im Vordergrund stehen. Eine Art Qualitätsmanagement-System
für Fortbildungen unter dem Dach der Kammer wäre sinnvoll.
• Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass die Kammer in unserem Bereich mehr agiert und nicht in zu vielen Fällen nur reagiert. Es gibt eine Vielzahl von Problemen, Fragen, Beratungsbedarf aber auch Ideen in unserem Kreis, für die uns die konkreten Ansprechpartner in der Kammer fehlen oder nicht bekannt sind.
Die Einrichtung von fachlich betreuten Internet-Diskussionsforen unter dem Dach der Kammer wäre ein sinnvoller Schritt in diese Richtung. Hier könnte man kostengünstig, fachliche aber auch wirtschaftliche und rechtliche Erfahrungen sowie das Wissen der Zahnärzteschaft bündeln und austauschen.
- Wir wollen helfen, die Öffentlichkeitsarbeit unseres Berufsstandes zu intensivieren. Es kann nicht sein, dass Politiker, aber auch die Krankenkassen routiniert jede Gelegenheit und jedes Medium nutzen, ihre teilweise armselige Polemik wieder und wieder zu
wiederholen und unsere Standesvertreter dazu
schweigen. Schlecht kopierbare Flyer für das Wartezimmer sind in der heutigen Zeit zu wenig.
Durch unsere Kandidatur möchten wir unsere Kraft im Rahmen der Arbeit der ZÄK Brandenburgs einsetzen, um neuen Herausforderungen an unseren Berufsstand sachlich und pragmatisch begegnen zu können. Als Ihre unabhängigen Interessenvertreter und Ansprechpartner wollen wir für unsere vielfältigen Belange eintreten.
Wir sind uns der Übernahme von Verantwortung dabei bewusst, selbst wenn ungeliebte Wahrheiten dabei zu sagen sind.
Sicher werden wir als einzelne Interessenvertreter dabei keine umwälzenden Veränderungen bewirken können. Wir halten es aber für wichtig, dass unsere regionaltypischen Interessen direkt und unabhängig in der Kammervertretung präsentiert und verteidigt werden.
Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung. Wählen Sie unabhängig die „Liste unabhängiger Kandidaten“, Liste Nr. 9!
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Dr. Jörg Lips
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